Mien Ruys
12. April 1904 - 9. Januar 1999


In zahlreichen Veröffentlichungen im In- und Ausland, in verschiedenen Radio- und TV-Sendungen und Dokumentationen wurde bereits zu Lebzeiten, aber auch nach dem Tod, viel Aufmerksamkeit auf das Leben und Werk der Grande Dame der niederländischen Gartenarchitektur, Mien Ruys, gerichtet.

Das neueste Buch über Mien Ruys und die Gärten Mien Ruys wurde 2024 zum 100-jährigen Bestehen des ersten Gartenentwurfs in den Gärten Mien Ruys veröffentlicht. 'Der Garten ist ein Prozess: 100 Jahre Gärten Mien Ruys, 1924-2024' von Conny Den Hollander (Hauptgärtnerin der Gärten Mien Ruys) geschrieben. Das Buch ist im Teehaus der Gärten Mien Ruys erhältlich.

Im Jahr 2017 wurde das Buch 'Mien Ruys: Gartenarchitektin 1904-1999: Die vollständige Biografie' von Dr. L.D. den Dulk (Cantua Tuinhistorisch Onderzoek) veröffentlicht. Diese umfangreiche Biografie von Mien Ruys kam in Zusammenarbeit mit dem Büro Mien Ruys in Amsterdam, der Universität Wageningen und anderen zustande. Leider ist das Buch seit einigen Jahren nicht mehr erhältlich.

Zwei Biografen gingen ihm bereits voraus. Im Jahr 1983 erschien eine Dissertation von Reinko Geertsema: 'Mien Ruys: Beschreibung und Dokumentation ihrer beruflichen Praxis' Fachbereich Landschaftsarchitektur der Landwirtschaftsuniversität Wageningen, 268 Seiten.

Bonica Zijlstra ist die Autorin von 'Mien Ruys, Aspekte des Lebens und Werkes einer niederländischen Garten- und Landschaftsarchitektin', 1990, Niederländische Gartenstiftung und Stiftung Tuinen Mien Ruys, 80 Seiten.




Foto: Maria Austria

Mien Ruys, wie alles begann...
 'Meine Karriere hat heute begonnen', schrieb Mien Ruys (1904) im Alter von 19 Jahren in ihr Tagebuch. Bei Moerheim (Kwekerij Moerheim v/h B. Ruys B.V), der damals weltberühmten Staudengärtnerei ihrer Eltern in Dedemsvaart, hatte man vorsichtig mit einer Abteilung für Entwürfe begonnen. Mien übernahm bald die Leitung, da ihr Interesse weniger dem Pflanzenanbau galt, sondern vielmehr ihrer Anwendung in Garten und Landschaft. Da es zu dieser Zeit in den Niederlanden noch keine entsprechenden Ausbildungen gab, studierte sie für einige Zeit in Berlin und absolvierte Praktika in England. Fachliteratur existierte damals kaum oder gar nicht.

Um eigene Erfahrungen zu sammeln, experimentierte sie mit Formen und Pflanzen im Gemüsegarten ihrer Eltern. Von dem elterlichen Haus aus zog sie einen geraden Weg durch den Garten, bis zwischen den Obstbäumen. Dort legte sie einen Querweg an und genau an der Kreuzung einen kleinen quadratischen Teich. Um diesen Teich herum und unter den Bäumen pflanzte sie alle Pflanzen, die ihr gefielen. Nach einem Jahr war davon wenig übrig. Sie hatte Pflanzen verwendet, die auf einem kalkreichen Boden gedeihen, aber nicht auf dem leicht sauren Boden in Dedemsvaart. Sie musste wählen. Entweder die Bodenbeschaffenheit ändern oder das Pflanzensortiment anpassen. Es wurde letzteres und das wurde zu einer wichtigen Maxime für sie: Pflanzen wählen, die den gegebenen Bedingungen entsprechen.

In den 1930er Jahren studierte sie einige Jahre Architektur und wurde von der sogenannten Delfter Schule beeinflusst, einer Architektur mit schweren, prächtigen, monumentalen Fassaden. Aber ihr Herz schlug für Einfachheit und Klarheit, was dazu führte, dass sie mit einer Gruppe bedeutender Architekten aus Amsterdam (“de 8”) und Rotterdam ('De Opbouw') zusammenarbeitete. Einige Namen aus dieser Gruppe sind Merkelbach und Rietveld.

Siehe auch: Inspiratie en tijdgenoten

Ihre Entwürfe: Einfachheit und Klarheit

Ihr Biograf Reinco Geertsema unterteilte ihr Werk in drei Perioden. Bis etwa 1945 waren ihre Aufträge hauptsächlich größere private Gärten, in denen das Staudenbeet immer eine Hauptrolle spielte. Nach dem Krieg, in der Zeit des Wiederaufbaus, hatte sie viel Arbeit für Wohnungsgenossenschaften und entwarf viele 'gemeinschaftliche Gärten'. Viele Entwürfe aus dieser Zeit waren durch schräge Linien gekennzeichnet.

Auf der Suche nach einer optimalen Nutzung des Außenraums entwarf sie Wege, Terrassen und Pflanzbeete in einem schrägen Winkel zu den Gebäuden und im Kontrast dazu. So bekam sie in dieser Zeit den Spitznamen 'Schiefe Mien'. Ab den 1960er Jahren wurden die schrägen Linien wieder gerade, oft mit strengen Blöcken aus geschnittenem Grün im Kontrast zu einer ausgiebigen Verwendung von Stauden.

Sie suchte immer nach dem Wesentlichen des Raumes und den Möglichkeiten des Ortes; eine einfache, funktionale Gestaltung mit lockerer, natürlicher Bepflanzung. Dies unterschied sie von ihren Kollegen aus jener Zeit. Auch sie strebten nach Einfachheit und Klarheit, betrachteten Staudenbeete jedoch als unnötige Dekoration. Mien Ruys hingegen war der Meinung, dass Stauden gerade das Naturerlebnis im Garten ermöglichen, eine in ihren Augen wichtige Funktion des Gartens. Wahrscheinlich erhielt sie gerade deshalb viele Aufträge für private Gärten und fand mit ihren Ideen im Laufe der Zeit viele Nachahmer.

Foto: Maria Austria

Foto: Maria Austria

Versuchsgärten
Die Gärten von Mien Ruys sind Versuchsgärten. Von Anfang an stand das Experimentieren mit Pflanzen, Materialien und Gestaltung im Vordergrund. Um Erfahrungen mit den auf der Baumschule gezüchteten Pflanzen zu sammeln, experimentierte sie im Obstgarten und Gemüsegarten ihrer Eltern mit Pflanzen für Sonne und Schatten. Diese ersten beiden Gärten existieren noch heute: der Verwilderungsgarten und der alte Versuchsgarten mit dem großen Beet. Im Laufe der Jahre wurden neue Experimente durchgeführt.

Ein bekanntes Experiment aus den 1960er Jahren war der Versuch mit der Verwendung von Bahnschwellen, was zu einer sehr großzügigen Verwendung von Bahnschwellen in den niederländischen Gärten führte.
Dies brachte Mien Ruys den Namen 'Bahnschwellen Mien' ein. Auch die Verwendung des ausgewaschenen Schottersteins (der sogenannte Grionstein) stammt aus der Ideenkiste von Mien Ruys. Die Erfahrungen waren zunächst wichtig für ihr Gartenarchitekturbüro. Später konnten jedoch auch die Leser des von Mien Ruys gegründeten Vierteljahresmagazins 'Onze Eigen Tuin' und die Besucher der Gärten Mien Ruys voll und ganz von diesem Wissen und diesen Erfahrungen profitieren.

Mien Ruys starb 1999 im Alter von 94 Jahren in Dedemsvaart.

Im Digitalen Frauenlexikon der Niederlande ist ein ausführliches Kapitel über Mien Ruys enthalten.